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Erdbebensichere Gebäude: Darauf kommt es bei der Betonstahlprüfung an

Moderne Städte wachsen zunehmend in die Höhe – doch mit jedem zusätzlichen Stockwerk steigen auch die Anforderungen an die Sicherheit. Gerade in Erdbebengebieten wirken selbst moderate Beben mit enormen Kräften auf Tragwerke ein. Entscheidend für die Stabilität ist dabei ein Bauteil, das oft unterschätzt wird: der Betonstahl. Damit Gebäude in seismisch aktiven Regionen zuverlässig standhalten, muss Betonstahl anspruchsvolle Prüfverfahren durchlaufen. Erfahren Sie, wie Erdbebenprüfungen an Betonstahl ablaufen, welche Normen dabei maßgeblich sind, welche Prüfsysteme zum Einsatz kommen – und warum Hersteller künftig kaum noch auf eigene Prüftechnik verzichten können.

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Was macht Betonstahl im Erdbeben so besonders?

Betonstahl – auch Rebar genannt – übernimmt die innere Verstärkung von Betonbauteilen und sorgt dafür, dass Zugkräfte aufgenommen werden können, die Beton allein nicht tragen würde. Im Erdbebenfall ändern sich die Belastungen jedoch innerhalb kürzester Zeit: Zug- und Druckkräfte wechseln sich teils im Sekundentakt ab und wirken wiederholt auf das Tragwerk ein. Damit Betonstahl diesen extremen Bedingungen standhält, muss er besondere Eigenschaften mitbringen. Entscheidend ist eine hohe Duktilität, also die Fähigkeit, sich plastisch zu verformen, ohne spröde zu versagen. Gleichzeitig muss das Material wiederholte zyklische Lastwechsel aushalten und dabei kontrolliert verformbar bleiben. Ebenso wichtig ist seine Fähigkeit, Energie aufzunehmen und abzubauen, ohne plötzlich zu brechen. Je ausgeprägter diese Eigenschaften sind, desto höher ist die Erdbebensicherheit eines Gebäudes – denn im Ernstfall entscheidet nicht nur die Festigkeit, sondern vor allem das Verformungsverhalten über die Stabilität des Tragwerks.

Welche Normen gelten für die Erdbebenprüfung von Betonstahl?

Hersteller, die international liefern, müssen zahlreiche Normen erfüllen, wie zum Beispiel:

  • ISO 15630-1 – mechanische Prüfung von Betonstahl
  • UNE 36065 – spanische Norm für Erdbebenverhalten
  • PN-H-93220 – polnische Norm für Rebar-Prüfung
  • SI 739 – israelische Norm für Rebar-Prüfung

Diese Normen definieren unter anderem Kraftbereiche, Prüfabläufe, Einspannlängen und zulässige Verformungen.
Für die Zertifizierung in Erdbebenzonen ist die Einhaltung dieser Standards zwingend.

Wie läuft eine Erdbebenprüfung an Betonstahl ab?

Die Erdbebenprüfung von Betonstahl gliedert sich in zwei zentrale Schritte: eine statische Prüfung und eine niedrigzyklische Erdbebenprüfung. Beide Verfahren ergänzen sich und liefern zusammen ein umfassendes Bild über das mechanische Verhalten des Materials.

  • Statische Prüfung
    Im ersten Schritt wird der Betonstahl ähnlich wie bei einem klassischen Zugversuch getestet. Ziel ist es, grundlegende mechanische Kennwerte wie Streckgrenze und Zugfestigkeit zu ermitteln. Dabei werden je nach Durchmesser der Baustahls Kräfte bis 1200 kN oder höher aufgebracht. Hochpräzise Extensometer messen die Dehnung des Materials exakt und ermöglichen eine detaillierte Auswertung des Verformungsverhaltens. Diese Prüfung liefert die Basisdaten für die Beurteilung der Materialqualität.
  • Niedrigzyklische Erdbebenprüfung
    Anschließend folgt die niedrigzyklische Erdbebenprüfung, die das reale Belastungsszenario während eines Erdbebens simuliert. Dabei wird die Probe mehreren zyklischen Lastwechseln unterzogen – typischerweise fünf bis zehn Zyklen mit einer Frequenz von ein bis drei Hertz. 

Die zu erreichende Verformung ist in den Normen definiert – in Abhängigkeit des Durchmessers und der sich daraus ergebenen freien Einspannlänge treten Verformungen bis zu ± 4% auf. Die Einspannlänge ist der freie Abstand zwischen unterem und oberen Spannbacken. Die auftretende Verformung wird über den Weg des Hydraulikzylinders gemessen.

Ein Beispiel hierzu: Baustahl Ø 25 mm wird mit einer Einspannlänge 15 x d = 375 mm eingespannt. Die zu erreichende Deformation beträgt bei Ø 25 mm ± 1,5% = ± 5,6 mm. Während der Prüfung wirken abwechselnd Zug- und Druckkräfte auf den Betonstahl.

Unter diesen Bedingungen knickt die Probe sichtbar aus. Dieser kritische Zustand ist entscheidend für die Bewertung des Duktilitätsverhaltens – also der Fähigkeit des Materials, sich plastisch zu verformen, ohne spröde zu versagen.

Welche Maschine eignet sich für Erdbebenprüfungen?

Für realistische Erdbebenprüfungen braucht es Maschinen, die sowohl hohe statische Lasten als auch dynamische Hübe abbilden. Ein Beispiel ist eine hydraulische Hochlastmaschine mit:

  • Zentralem Hydraulikzylinder
  • Gasdruckspeichern zur Energieunterstützung
  • Stabiler Einspanntechnik für Proben bis 40 mm
  • Prüfsoftware wie testXpert mit Master-Prüfabläufen
  • Berührender (makroXtens) oder kontaktloser (videoXtens) Extensometer
  • Normgerechter Schutzeinhausung und Hydrauliksicherung

Diese Kombination ermöglicht präzise Prüfungen nach internationalen Standards – und macht Hersteller unabhängig von externen Laboren.
 

Wie wird das Prüfergebnis bewertet?

Während klassische Zugversuche hauptsächlich messdatenbasiert ausgewertet werden, liegt der Fokus bei Erdbebenprüfungen zusätzlich auf der optischen Beurteilung:

  • Rissbildung
  • Plastische Verformung
  • Ausknickverhalten
  • Strukturveränderungen im Rippenbereich

Diese Bewertung zeigt, ob ein Betonstahl für den Einsatz in kritischen Tragwerken geeignet ist.
 

Warum setzen immer mehr Hersteller auf eigene Prüfanlagen?

Unternehmen, die Betonstahl international vertreiben, sehen sich heute mit wachsenden Anforderungen konfrontiert. Die Qualitätsstandards steigen kontinuierlich, Normen werden strenger und komplexer, während sich zugleich Projektzyklen verkürzen. Hinzu kommen zunehmender Kostendruck sowie logistischer Mehraufwand, etwa durch den Versand von Proben an externe Prüflabore. Vor diesem Hintergrund gewinnen eigene Prüfanlagen stark an Bedeutung. Sie ermöglichen schnellere Prüfabläufe, da der zeitintensive Probenversand entfällt, und sorgen für einheitliche Qualitätsstandards innerhalb internationaler Unternehmensgruppen. Neue Chargen lassen sich unmittelbar und ohne Verzögerung validieren, was die Reaktionsgeschwindigkeit gegenüber Kunden deutlich erhöht. Gleichzeitig profitieren Hersteller von größerer Flexibilität und reduzieren langfristig ihre Kosten, da externe Labordienstleistungen nicht mehr in Anspruch genommen werden müssen. Spezialisierte Erdbebenprüfmaschinen entwickeln sich damit zunehmend zu einem strategischen Baustein moderner Stahlproduktion.

Fazit: Präzise Erdbebenprüfung als Fundament sicherer Bauwerke

Die Prüfung von Betonstahl ist ein entscheidender Baustein moderner Erdbebensicherheit. Sie ermöglicht es, die tatsächliche Belastbarkeit und Duktilität von Betonstahl realitätsnah zu bewerten – lange bevor das Material in tragenden Bauwerken eingesetzt wird. Da seismische Ereignisse weltweit zunehmen und Bauwerke komplexer werden, steigt die Bedeutung zuverlässiger Prüftechnik weiter.

Hersteller, die auf state-of-the-art Erdbebenprüfungen setzen, schaffen damit nicht nur Sicherheit, sondern auch klare Wettbewerbsvorteile: kürzere Entscheidungswege, präzisere Qualitätskontrolle und die Fähigkeit, internationale Normen wie ISO 15630-1 oder UNE 36065 ohne Umwege zu erfüllen.

ZwickRoell-Prüflösungen für Betonstahl in Erdbebenzonen

ZwickRoell bietet Prüflösungen, die genau auf diese Anforderungen abgestimmt sind – von der statischen Zugprüfung bis zur anspruchsvollen niedrigzyklischen Erdbebenprüfung:

  • Hydraulische Hochlast-Prüfmaschinen
    Für Kräfte von mehreren hundert bis tausend Kilonewton, ideal für Zug-, Druck- und Biegeversuche an Betonstahl.
  • Servohydraulische Systeme für dynamische Prüfungen (Fatigue / Low Cycle Fatigue)
    Perfekt für realitätsnahe Erdbebensimulationen mit zyklischen Belastungen, hohen Hüben und variablen Frequenzen.
  • testXpert Prüfsoftware
    Steuert Prüfabläufe normgerecht, dokumentiert Ergebnisse und ermöglicht reproduzierbare Prüfprogramme – auch für kunden- und länderspezifische Erdbebenanforderungen.
  • Extensometer und Messtechnik
    Für präzise Dehnungsmessung in statischen Versuchen.

Mit diesen Lösungen können Stahlhersteller ihre Prüfprozesse modernisieren, interne Normanforderungen erfüllen und gleichzeitig die Sicherheit ihrer Produkte langfristig steigern. Besonders in erdbebengefährdeten Regionen liefern solche Systeme die Grundlage für robuste, normkonforme und zuverlässige Bauwerke.

Kurz gesagt:

Nur wer heute präzise prüft, baut morgen sicher. Und ZwickRoell stellt dafür die passende Technologie bereit – flexibel, zuverlässig und für internationale Anforderungen gerüstet.

Glanz
Daniel Glanz

Corporate Communications Manager - ZwickRoell GmbH & Co. KG

Als Corporate Communications Manager bei ZwickRoell verantwortet Daniel Glanz Fachartikel, Interviews, Hintergrundberichte, Presseinformationen und Kundenreferenzgeschichten. Dank seines journalistischen Hintergrunds und Erfahrung im Marketing und der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit vermittelt er anspruchsvolle und komplexe Inhalte wie Wasserstoff Materialprüfung oder automatisierte Prüfsysteme einfach und praxisnah und erzählt die Geschichten hinter den Prüfmaschinen. 

Haben Sie Fragen? Nehmen Sie gern Kontakt auf!

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