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Plättchen-Biegeversuch für metallische Werkstoffe nach VDA 238-100 und GMW 15421

Die VDA 238-100 als auch der GMW 15421 (General Motors Worldwide Engineering Standard) beschreiben die Durchführung eines Plättchen-Biegeversuchs an Proben aus metallischen Werkstoffen wie Aluminiumlegierungen und höchstfesten Stählen (Zugfestigkeit Rm ≥ 780 MPa). Seit 2017 sind die Anforderungen an die Prüfvorrichtung sehr hoch, damit der gemessene Biegewinkel nur den Werkstoff selbst widerspiegelt und nicht durch die Prüfvorrichtung beeinflusst wird. So kann das Umformvermögen des Materials besser beurteilt werden.

Die nachfolgenden Informationen geben einen umfassenden Überblick. Zur Sicherstellung einer Richtlinien-konformen Durchführung des Plättchen-Biegeversuchs ist der Erwerb der vollständigen Richtlinie jedoch unverzichtbar.

Ziel & Einsatzbereich ZwickRoell Prüflösung Probevorbereitung & Proben Steifigkeits-Anforderungen Versuchsdurchführung Automatisierungsmöglichkeit Beratung anfordern Downloads

VDA 238-100 Ziel & Einsatzbereich

Der Plättchen-Biegeversuch nach VDA 238-100 hat sich weltweit als Verfahren zur Beurteilung des Umform- und Biegevermögens von Blechen etabliert und dient der Ermittlung des Biegewinkels beispielsweise von Karosserieblechen mit dem Ziel, Rückschlüsse auf das Verformungsverhalten und die Anfälligkeit gegenüber Versagen von metallischen Werkstoffen bei Umformprozessen mit dominanten Biegeanteilen (wie Falzoperationen) oder bei Crashbelastung zu erhalten.

Die Richtlinie wurde in Zusammenarbeit von Herstellern und Zulieferern der Automobilindustrie entwickelt, um weltweit einen einheitlichen Standard für Automotive-Anwendungen zu etablieren. Neben der VDA 238-100 nutzen viele Automobilhersteller und Zulieferer darüber hinaus OEM-spezifische Richtlinien wie die GMW 15421 von General Motors (General Motors Worldwide Engineering Standard), die insbesondere für den nordamerikanischen Markt eine wichtige Rolle spielt.

Die ZwickRoell Prüflösung für den Plättchen-Biegeversuch erfüllt die hohen Anforderungen an Präzision und Steifigkeit und ist für das Prüfverfahren gemäß VDA 238-100 als auch nach der GMW 15421 verfügbar.

Plättchen-Biegeversuch nach VDA 238-100 mit ZwickRoell

Optische Messsysteme und automatisierte Abläufe liefern reproduzierbare Ergebnisse für die zuverlässige Auslegung von Umformprozessen und die Absicherung von Simulationen:

  • Optische Biegewinkelmessung direkt an der Probe - live verfolgbar.
  • Höchste Steifigkeit der Prüfvorrichtung
  • Automatisierte Messwertübertragung & Live Auswertung in testXpert
  • Zeitsynchrone Rissbilderfassung
  • Minimierter Bedienereinfluss

Die Plättchen-Biegevorrichtung von ZwickRoell wurde in Zusammenarbeit mit einem großen Automobilhersteller entwickelt. Sie erfüllt nicht nur die Vorgaben der VDA 238-100 und GMW 15421 sondern ist perfekt auf den Prüfalltag abgestimmt: Einfache Handhabung, minimaler Bedienereinfluss und clevere Unterstützung durch optische Mess- und Analyseoptionen.

Sie setzen die Prüfmaschine auch für andere Anwendungen ein? Ein Ausbau der Prüfvorrichtung ist nicht nötig. Über einen Adapter lassen sich verschiedene Probenhalter oder Prüfwerkzeugen direkt an die Plättchen-Biegevorrichtung montieren.

Hier punktet die ZwickRoell Plättchen-Biegevorrichtung:

Optische Funktionen
Hohe Steifigkeit
Minimaler Bedienereinfluss

Optische Funktionen

Die optischen Funktionen sparen Zeit und ermöglichen eine detailliertere Analyse des Materialversagens

  • Rissbild-Capturing: Mit der Risserkennungskamera kann der Rissvorgang direkt während der Prüfung als Video aufgezeichnet werden.
  • Die optische Messung von Biegewinkel und Rollenabstand spart Zeit und reduziert den Bedienereinfluss gegenüber herkömmlichen manuellen Verfahren. Automatisch werden die Werte in testXpert übernommen – so werden auch Eingabefehler verhindert.
  • Durch die optische Messung wird der Biegewinkel bereits während der Prüfung und parallel zur Kraft-Weg-Messung erfasst und nicht erst nach Ende der Prüfung.
  • Rissbild, Biegewinkel sowie die Erfassung der Kraft werden zeitsynchron aufgezeichnet.
  • Der Zusammenhang zwischen Kraft, Biegewinkel und Rissbild ist zu jedem Zeitpunkt der Prüfung in testXpert abrufbar. Dadurch ist eine detailliertere Analyse des Materialversagens möglich. 

Hohe Steifigkeit

Hochgenaue Ermittlung der Biegewinkel durch hohe Steifigkeit der Vorrichtung: 

  • Die Prüfvorrichtung erfüllt vollumfänglich die Steifigkeitsanforderungen entsprechend den Vorgaben der VDA 238-100 und GMW 15421. 

  • Hiermit ist die Ermittlung des wahren Werkstoffkennwertes des Biegewinkels ohne Beeinflussung durch die Prüfvorrichtung sichergestellt. 

Minimaler Bedienereinfluss

Zuverlässige Prüfergebnisse und minimaler Bedienereinfluss:

  • Automatische, optische Messung des elastischen und plastischen Anteils des Biegewinkels
  • Automatische Rollenabstandsmessung und Messwertübertragung zu testXpert
  • Der Rollenabstand kann entsprechend der gemessenen Probendicke exakt eingestellt werden
Produktmanager Dr. Erhard Reimann berichtet über die wesentlichen Kriterien im Plättchen-Biegeversuch

“Durch unsere enge Zusammenarbeit mit führenden Branchenakteuren wissen wir, dass ein hoher Biegewinkel zentrales Kriterium für hohe Materialgüte ist. Dafür ist wiederum eine hohe Steifigkeit der Prüfvorrichtung maßgeblich. Und genau das stand im Fokus der Entwicklung. Aber auch eine einfache, schnelle und sichere Bedienbarkeit war uns wichtig – denn so wird die Vorrichtung den Anforderungen im täglichen Einsatz gerecht. Gemeinsam mit Kunden haben wir die Prüfvorrichtung intensiv getestet und weiterentwickelt. So ist ein Produkt entstanden, das neben technischer Präzision vor allem eines bietet: echtes, gelebtes Praxiswissen.”

 

Dr. Erhard Reimann, Produktmanager statische Prüfsysteme für Metalle

 

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VDA 238-100 Probenvorbereitung und Proben

Die Qualität der Probenvorbereitung hat hohen Einfluss auf die Prüfung. Daher sieht die VDA 238-100 verschiedene Schritte für eine sorgfältige Probenvorbereitung vor. Die Oberfläche der Probe muss sauber sein und die Kanten sollten bei Bedarf entgratet, geschliffen oder auf andere Weise bearbeitet werden. 

Die Proben für den Plättchen-Biegeversuch sind flache Metallplättchen mit einer Standardgröße von 60 mm × 60 mm. Wenn hohe Prüfkräfte zu erwarten sind, kann In Absprache mit dem Auftraggeber die Probenbreite reduziert werden. 

Werkstoffe mit hohem Umformvermögen können zur besseren Charakterisierung vorgedehnt werden. 

VDA 238-100 Steifigkeits-Anforderungen an die Prüfvorrichtung

Die Steifigkeit der Prüfvorrichtung ist maßgeblich für die Prüfergebnisse. Ist die Steifigkeit gering, nimmt die Verformung der Prüfvorrichtung Einfluss auf den ermittelten Biegewinkel, das heißt er fällt geringer aus, als er tatsächlich sein müsste. “Für Biegewinkel von αsoll > 130° ist die Steifigkeit der Prüfvorrichtung nachzuweisen. Bei einer Stempelkraft von 3000 N darf die Gesamtaufweitung der Rollen max. 0,1 mm betragen” (Quelle: VDA 238-100:2020-07, Punkt 4 Prüfapparatur und Prüfmittel, Herausgeber: Verband der Automobilindustrie e.V.).

Die geforderte hohe Steifigkeit erfüllen wir mit unserer Prüfvorrichtung für Plättchen-Biegeversuche mit höchster Präzision.

VDA 238-100 Versuchsvorbereitung

Die Biegevorrichtung wird in der Zugprüfmaschine so positioniert, dass die Rollen parallel und mit einer Toleranz von ±0,05 mm unter dem Biegestempel zentriert sind. Der Rollenabstand ist in der VDA 238-100 abhängig zum errechneten Sollbiegewinkel αsoll definiert:

Rollenabstand in Abhängigkeit zum Sollbiegewinkel αsoll 
Stahl2 tm + 0,5 mm
Al-Legierungen αsoll ≤ 130°2 tm
Al-Legierungen αsoll > 130°2 tm + 0,5 mm für t ≤ 2,0 mm

tm = Probendicke vor dem Versuch, t = Nenndicke

Die Proben müssen symmetrisch so auf die Rollen positioniert werden, dass die Kraft mit dem Biegestempel in der Mitte der Auflagedistanz aufgebracht werden kann. Je nach Werkstoff und Dicke der Probe wird der Radius des Biegestempels wie folgt gewählt: 

Radius des Biegestempels 
Stahl (Rm ≥ 780 MPa)0,4 mm
Al-Legierungen0,2 mm für t ≤ 2,0 mm
0,4 mm für t > 2,0 mm

VDA 238-100 Versuchsdurchführung

Die Probe wird mit definierten Prüfgeschwindigkeiten gebogen bis eines der drei Abschaltkriterien erreicht ist:

  • Kraftabfall:
    Stahl = 60 N
    Aluminium t ≤ 2,0 mm = 30 N
    Aluminium t > 2,0 mm = 60 N
  • Abschaltung bei einem Traversenweg, der einen Biegewinkel nach dem erwarteten Kraftabfall von 30 N bzw. 60 N und vor dem Klemmen sicherstellt
  • Abschaltung bei signifikantem Kraftanstieg

Bestimmung des Biegewinkels

Für die Auswertung beschreibt die VDA 238-100 drei Möglichkeiten zur Bestimmung des Biegewinkels:

  • Manuell (αₘ) gemäß Anhang C: Der Biegewinkel α wird nach Entnahme der Probe aus der Biegevorrichtung manuell mit einem Winkelmesser gemessen. In diesem Fall wird nur die plastische Verformung gemessen.
  • Berechnung (α꜀) gemäß Anhang D: Der Biegewinkel α꜀ wird auf der Grundlage der Traversenbewegung softwaregestützt berechnet, dabei umfasst der Biegewinkel die plastische und elastische Verformung.
  • Optisch (αₒ) gemäß Anhang E: Der Biegewinkel αₒ wird mit Hilfe eines hochgenauen Kamerasystems während der Belastung des Probekörpers bestimmt. Dabei misst eine Kamera den Biegewinkel während des Versuchs direkt an der Probe. Bei dieser Prüfung wird die plastische und elastische Verformung gemessen.

Automatisierter Plättchen-Biegeversuch

Für besonders sichere und genaue Prüfergebnisse kann der Plättchen-Biegeversuch auch automatisiert durchgeführt werden. 

Mit dem Roboter-Prüfsystem roboTest N von ZwickRoell übernimmt ein Roboter das Probenhandling sowie das präzise Einlegen der Probe in der Biegevorrichtung. Bedienereinflüsse wie Handtemperatur oder Handfeuchtigkeit, aber auch schräges oder ungenaues Einlegen der Metallproben kann durch den Roboter komplett ausgeschlossen werden. 

Ein Lesegerät scannt zu Beginn den an der Blechprobe angebrachten ID-Code und sorgt somit für eine sichere Zuordnung der Probendaten zu den Prüfergebnissen. 

Da der Plättchen-Biegeversuch an Blechen mit unterschiedlichen Dicken durchgeführt werden kann, wird im nächsten Schritt die Probendicke in einer Dickenmessstation ermittelt. Der für die Probendicke benötigte Biegestempel wird vom Roboter entsprechend ausgewählt und in die Prüfvorrichtung eingesetzt. Zudem wird der Rollenabstand der Biegevorrichtung automatisch an den Biegestempel angepasst.

Durch die Automatisierung des Plättchen-Biegeversuch nach VDA 238-100 wird qualifiziertes Laborpersonal von Routinetätigkeiten entlastet und steht für komplexere Aufgaben zur Verfügung. 
 

Video zum automatisierten Plättchen-Biegeversuch

Der automatisierte Plättchen-Biegeversuch kommt in diesem Video zum Einsatz, da viele Proben unterschiedlicher Dicke geprüft werden müssen. 

Das automatisierte Prüfsystem roboTest N stellt sicher, dass die Proben bei jeder Prüfung auf die gleiche Weise in der Prüfvorrichtung liegen. Der Einflussfaktor „Mensch“ wird auf ein Minimum reduziert.
 

Interessieren Sie sich für den Plättchen-Biegeversuch?


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Passende Prüfmaschinen in Kombination mit der Plättchen-Biegevorrichtung von ZwickRoell

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Name Typ Größe Download
  • Produktinformation: 3-Punkt Biegevorrichtung für Plättchen-Biegeversuch an metallischen Werkstoffen PDF 444 KB
  • Produktinformation: Material-Prüfmaschinen AllroundLine Z005 bis Z100 PDF 1 MB
  • Produktinformation: Material-Prüfmaschinen ProLine Z005 bis Z100 PDF 1 MB

Unsere Experten:

Schmid
Dr. Harald Schmid

Global Industry Manager Metalle – ZwickRoell GmbH & Co. KG

Als Global Industry Manager verantwortet er die Branchenstrategie im Bereich Metalle mit Fokus auf Marktbeobachtung, Weiterentwicklung von Prüflösungen sowie der vertrieblichen Unterstützung im internationalen Umfeld.

Er bringt umfassende Erfahrung aus der Normungsarbeit mit und engagiert sich aktiv in verschiedenen Gremien: unter anderem im internationalen ISO-Komitee „ISO/TC 164 Mechanical Testing of Metals“ sowie in nationalen DIN-Arbeitskreisen wie dem NA 062-01-42 AA Zug- und Duktilitätsprüfung für Metalle und dem NA 062-01-47 AA Schlagzähigkeitsprüfung für Metalle und mechanisch-technologische Prüfung an metallischen Rohren.

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Schneider
Bernd Schneider

Regional Industry Manager für Metall & Automotive – ZwickRoell North America

Mit jahrzehntelanger umfassender Expertise in der automatisierten und manuellen Werkstoffprüfung entwickelt Bernd in enger Zusammenarbeit mit Kunden praxisnahe, maßgeschneiderte Prüflösungen, mit denen sich Prüfgenauigkeit, Effizienz und Reproduzierbarkeit nachhaltig verbessern lassen.

Dank seines tiefgehenden Verständnisses der Metall‑ und Automobilindustrie unterstützt Bernd Unternehmen dabei, typische Fragestellungen rund um die Automatisierung – wie Komplexität, Wirtschaftlichkeit und die erfolgreiche Integration in bestehende Arbeitsprozesse – zu adressieren und gleichzeitig den langfristigen Nutzen aufzuzeigen.

Darüber hinaus ist Bernd Mitglied im “Committee E28 on Mechanical Testing” für die Metallindustrie und engagiert sich aktiv für die Weiterentwicklung von Industriestandards und Best Practices.

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